Schon lange wollte ich hier auf der Website ein echtes, originales Shakshuka-Rezept zubereiten und veröffentlichen hier auf der Seite Schnitzel im Wok, denn meine Mission besteht darin, die Rezepte internationaler Küchen in möglichst originalgetreuen Versionen vorzustellen.
In solchen Fällen begebe ich mich tatsächlich auf eine kleine Forschungsreise – natürlich oft nur durch die Tiefen des Internets –, um die Variante zu finden, die nicht nur lecker ist, sondern möglichst auch als authentisch bezeichnet werden kann.
Bei der Suche nach dem originalen Shakshuka-Rezept habe ich es nicht anders gemacht. Ich habe zum Thema „originale“ Rezepte schon vieles gesehen, aber womit ich hier konfrontiert wurde, damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet.
Woher stammt die originale Shakshuka?
Wenn man nur mit offenen Augen durch die Welt geht, stellt man schnell fest, dass Shakshuka nicht nur ein stark internationalisiertes Rezept ist, sondern dass man ihr am häufigsten im Zusammenhang mit der israelischen Küche begegnet. Wenn man sich danach nur ein wenig tiefer mit dem Ursprung des Rezepts beschäftigt, stößt man auf eine maghrebinische, also nordafrikanische Herkunft.
Ich habe die Angewohnheit, dass ich bei der Suche nach einem nicht englischsprachigen Rezept nicht bei den sehr häufig willkürlich veränderten, aber in der westlichen Welt fast ausschließlich verfügbaren englischsprachigen Rezepten stehen bleibe. In solchen Fällen suche ich Rezepte aus dem Herkunftsland in der Originalsprache und versuche, diejenigen Varianten zu finden, die vor Ort am typischsten sind und als original bezeichnet werden können.
Natürlich könnte ich zum Beispiel für ein halbes Jahr nach Tunesien ziehen, um von Haus zu Haus zu gehen und herauszufinden, wie die Einheimischen dort die echte, originale Shakshuka zubereiten. Das wäre sicher ein Abenteuer, und sicher würden viele denken, dass dies tatsächlich die einzige Möglichkeit ist, ein Originalrezept aufzuspüren, aber trotzdem …
Hier begannen die Komplikationen
Grundsätzlich können wir uns doch darauf einigen, dass Shakshuka eine Art pochiertes Ei in einer würzigen Tomatensauce ist. Zumindest aus der Perspektive unseres westlichen, wie ich bereits angedeutet habe, stark internationalisierten Essverständnisses.
Doch hier kam die erste Überraschung, als ich meine Recherche mit der Suche nach originalen marokkanischen Shakshuka-Rezepten begann. Es stellte sich nämlich heraus, dass dort eher unter dem Namen Taktouka oder Tektouka eine Art gekochter Paprika-Tomaten-Salat verbreitet ist.
Dann die tunesische Shakshuka, die dem schon stärker ähnelt, was wir kennen. Aber das klassische, darin gegarte pochierte Ei ist dort bei Weitem nicht so verbreitet, wie man zunächst denken würde. In dem nordafrikanischen Land isst man das Gericht häufig pur, aber auch mit Merguez, Kadid, Kartoffeln oder Fischbällchen.
Auch in Algerien erscheint Chakchouka viel eher als eine Art lokale Ratatouille, in der Eier nicht nur keineswegs alltäglich sind, sondern, wenn sie hineingegeben werden, oft eher verrührt als im Ganzen. Außerdem ist dort auch eine gegrillte Version beliebt, bei der das Gemüse zuerst gegrillt, dann geschält und erst danach in Öl zu dem Gericht verarbeitet wird.
Und dazu kommt die wenig überraschend wiederkehrende Wendung, dass es selbst innerhalb der regionalen Varianten ungefähr so viele Versionen gibt, wie es Rezepte gibt. Und das gilt sogar für die israelischen Rezepte, die der international bekannten Shakshuka-Version am nächsten stehen.
Und dann kamen die ähnlichen Gerichte
Eines sollten wir in diesem Zusammenhang nicht vergessen: In vielen Küchen gibt es Gerichte aus in Öl gedünstetem Gemüse, vor allem mit Zwiebeln, Paprika und Tomaten, die häufig mit Ei, Wurst oder anderen Ergänzungen serviert werden. Solche Parallelen findet man in mehreren Ländern und Küchen.
So viel also dazu, ob man für irgendein Gericht ein einziges Originalrezept finden und es einer einzigen Nation zuordnen kann in dieser vielfältigen Welt.
Die globale Rezeptkultur
Die moderne Rezeptkultur ist ein Schmelztiegel, daran ist nichts auszusetzen. Sehr viele unterschiedliche Kulturen, Aromen und Kochtraditionen vermischen sich heute mutig und vielfältig. Eine besondere und nicht selten einzigartige Geschmackswelt, in vielerlei Hinsicht eine ausgesprochen offene Haltung gegenüber der internationalen kulinarischen Bühne – die Welt und viele früher international weniger bekannte Rezepte haben dieser Entwicklung sehr viel zu verdanken.
Wenn es aber um die Bewahrung originaler Rezepte geht, ist nach meiner Erfahrung leider nicht jede stark vereinfachte Onlineversion eine verlässliche Quelle. Seien wir ehrlich: Viele Plattformen finden und verbreiten oft ein gut klingendes oder gerade angesagtes Rezept. Vielleicht wird dabei gar nicht vollständig verstanden, worum es im Original, in seiner lokalen Wirklichkeit tatsächlich geht, und vor allem, woraus und wie das authentische Gericht zubereitet wird.
Aber es braucht Besucherzahlen, und die bringen nun einmal oft nicht die Menschen aus dem Herkunftsland, sondern ein breites internationales Publikum. Deshalb werden diese Rezepte zusätzlich zu diesem grundlegenden Missverständnis manchmal noch durch einen verzerrenden Filter geschoben, damit sie möglichst leicht konsumierbar werden für eine Zielgruppe, die vor allem kurze Videos, schöne Bilder und einfache Erklärungen erwartet.
Nein, ich geißle hier nicht die westliche Kultur oder die moderne Welt. Das liegt mir völlig fern.
Nur ist es eine Sache, leckere oder sogar trendige Rezepte zu veröffentlichen – dazu hat nicht nur jeder das Recht, sondern es ist auch nützlich. Eine andere Sache ist es jedoch, originale Rezepte sei es aus Missverständnis oder aus dem Wunsch nach höheren Besucherzahlen zu verändern, umzuschreiben und falsche Eigenversionen als authentisch darzustellen. Letzteres ist unnötig, und noch keine Kultur ist dadurch gewachsen, dass ihre Wurzeln aus irgendeinem Grund verfälscht wurden.
Aber wie ist denn nun die originale Shakshuka?
Unter Berücksichtigung all dessen gibt es meiner Meinung nach zwei mögliche Antworten auf diese Frage, und beide können sogar gleichzeitig wahr sein.
- Es gibt eigentlich nicht das eine originale Shakshuka-Rezept. Wie bei vielen anderen Gerichten gilt hier ganz besonders, dass es Tausende verschiedene Varianten gibt, und sogar ähnliche Gerichte aus anderen Küchen könnten in diese gedankliche Nähe rücken.
- Im Grunde kann jedes in der Pfanne zubereitete Gericht mit Zwiebeln, Tomaten und Paprika als Shakshuka bezeichnet werden, denn irgendwo wird diese Variante mit großer Wahrscheinlichkeit von den Einheimischen gegessen.
Die weltweit am stärksten verbreitete Variante wird in der Regel mit Zwiebeln, sehr viel Tomate und meist mit Paprika zubereitet, und am Ende werden pochierte Eier darin gegart.
In Israel fehlen Zwiebel und Paprika häufig, in Marokko wird sie eher als eine Art Salat serviert. In Algerien wird sie oft sogar aus zuvor gegrilltem Gemüse zubereitet, während man sie in Tunesien gerne nicht nur mit Ei, sondern auch mit Wurst, Trockenfleisch, Kartoffeln oder Fischbällchen anreichert.
Aber jeder kann überall jede dieser Varianten zubereiten, und sie kann trotzdem problemlos Shakshuka genannt werden, auch wenn das vielleicht nicht in die Denkweise irgendeines berühmten Bloggers oder Kochs passt.
Ein Gericht wird nicht dadurch lecker oder nicht lecker, wie es genannt wird. Wenn wir jedoch kulturelle Traditionen respektieren und darauf achten, die Dinge richtig einzuordnen, dann erleben wir vielleicht deutlich weniger Missverständnisse.





